
Treptow, Matthias-Alexander
VITA MatT
11. Mai 1982 Geboren in Mülheim an der Ruhr
198X-18X wohnhaft in Bad Salzdethfurt
198X-1989 wohnhaft in Hildesheim, Hansering 56
198X-198X Kindergarten Hildesheim Sensburger Ring
198X-1988 Kindergarten Stadt Hildesheim
1988-1989 Grundschule Greifswalder Str. in Hildesheim
1989-1991 wohnhaft in Altenholz-Klausdorf, Am Buchholz 7
1989-1991 Claus-Rixen-Grundschule in Altenholz-Klausdorf
1991-2002 wohnhaft in Eckernförde, Westerrade 17
1991-1994 Gorch-Fock-Grundschule, Eckernförde
1992 Kinderkur in St.Peter-Ording
1994-2000 Integrierte Gesamtschule Eckernförde
1995-2003 Pfadfinder im Pfadfinderbund Jomsburg "Stamm Strybjörn"
2000 Packkraft bei Lidl, Eckernförde
2000 Berufsbildende Schulen, Eckernförde
2001-2002 Wehrpflicht bei der Bundeswehr als Nachschubbuchführer, Husum
2003-2004 Berufsvorbereitung Eckernförde
2003 Eintritt in die Partei Bündnis 90/Die GRÜNEN
2003-2010 Wohnhaft in Eckernförde, Ostlandstr.2a
2004 Eintritt bei der Grünen Jugend
2004 Praktikum in der Lantagsfraktion von Bündnis 90/Die GRÜNEN in Schleswig-Holstein
2005 Arbeitsgelegenheit bei Möbel&Mehr, Eckernförde
2005 Landesgeschäftsführer der Grünen Jugend Schleswig-Holstein
2005-2006 Redakteur bei der Jugendzeitung eckXpress, Eckernförde
2007 Jugendbetreuer im Haus der Jugend, Gettorf
2007 Eiscafé La Venezia, Kiel-Suchsdorf
2007-2010 Bürgerliches Mitglied in der GRÜNEN-Ratsfraktion Eckernförde; Beirat für Menschen mit Behinderung der Stadt Eckernförde + dessen Schatzmeister
2007-2008 Redakteur im Projekt ECK-TV, Eckernförde
2008 Maßnahme der Arbeitsagentur "Fit für den Job"
2008-2010 Mitglied des Kreisvorstandes des Kreisverbands Rendsburg-Eckernförde "Beisitzer"
2009 Schulbibliothekar der Peter-Ustinov-Schule, Eckernförde
April 2010 Reha-Aufenthalt in Stadtlengsfeld
seit 2010 wohnhaft in Bad Harzburg, Pfingstanger 9
2010-2011 Arbeitsamtmaßnahme "Be Active", Goslar
2011-2012 Arbeitsgelegenheit bei der BVIK Kreativwerkstatt, Bad Harzburg
2011-2014 Ortsvorsitzender der GRÜNEN in Bad Harzburg
2011-2016 Sprecher des Bündnis gegen Rechtsextremismus Bad Harzburg
2011-2014 beratendes Mitglied im Kultur und Sozialausschuss Bad Harzburg
2012-2014 Umschulung zum Bürokaufmann, Goslar
2014-2017 Jugendschöffenamt am Amtsgericht Goslar
2015-2017 BNVHS Goslar-Oker im Bereich HoGa/HW
Mai 2016 Austritt aus der Partei Bündnis 90/Die Grünen
Juli 2017 Umzug nach Liebenburg
Februar 2021 Umzug innerhalb Liebenburg s
Meine Biografie
Vorwort
Hallo, mein Name ist Matthias-Alexander Treptow. Am 11. Mai 1982 erblickte ich in Mülheim an der Ruhr das Licht der Welt; heute ist das beschauliche Liebenburg meine Heimat. Ich bin kein berühmter Fußballer, kein gefeierter Musiker oder Entertainer – keiner jener Prominenten, die im hellen Rampenlicht der Weltbühne stehen. Vielmehr sehe ich mich als einen eher unscheinbaren Menschen, der sein Dasein als eines von vielen Individuen in der breiten Masse führt.
Doch gerade in dieser Unscheinbarkeit liegen Geschichten verborgen, die es wert sind, erzählt zu werden. In diesem Buch möchte ich meine Lebensgeschichte niederschreiben, um Sie an dem teilhaben zu lassen, was ich erlebt habe. Vielleicht hilft es Ihnen dabei, ein Stück weit zu verstehen, wie ich „ticke“. Es ist mir ein Herzensanliegen, meine Erfahrungen zu teilen – nicht zuletzt, damit wir gemeinsam aus Fehlern lernen können, die ich bereits begangen habe.
Bevor wir gemeinsam in die Vergangenheit eintauchen, ist es mir wichtig, danke zu sagen. Mein Dank gilt all jenen Menschen, die mir das Leben geschenkt, mir Wissen vermittelt und mich immer wieder dazu inspiriert haben, meinen Horizont zu erweitern. Ohne sie säße ich heute nicht hier, um diese Zeilen zu verfassen und meine Erlebnisse – seien sie nun glücklich oder schmerzhaft – festzuhalten.
Ich hoffe, dass Sie beim Lesen das eine oder andere nachvollziehen können und vielleicht sogar Parallelen zu Ihrem eigenen Leben entdecken. Möglicherweise schenken meine Worte jemandem den Mut, sich den eigenen Problemen zu stellen – oder inspirieren sogar dazu, selbst die Feder in die Hand zu nehmen und die eigene Geschichte aufzuschreiben.
Ich wünsche Ihnen nun eine bereichernde Lektüre und viel Freude beim Eintauchen in meine Welt.
Viel Spaß!
Euer Matthias-Alexander Treptow
Von Anfang an: Schatten und Licht
Bevor ich überhaupt das Licht der Welt erblickte, führte der Weg meiner Eltern und meines Bruders Torsten weit weg von der deutschen Heimat – in die Vereinigten Staaten, in die Nähe von Tampa, Florida. Doch das amerikanische Leben wurde jäh unterbrochen, als die Nachricht eintraf, dass meine Großmutter Lore in Deutschland im Sterben lag. Es war eine Reise gegen die Zeit. Meine Eltern kehrten zurück, damit mein Vater Abschied nehmen konnte, und im April schloss meine Oma nach einem schweren Krebsleiden für immer die Augen. Ich durfte sie nie kennenlernen. Mein Vater war innerlich am Boden zerstört; nach außen hielt er die Fassade des starken Kerls aufrecht, doch in ihm war eine Welt zusammengebrochen. Diese unterdrückte Erschütterung sollte tiefe Spuren in unserer gemeinsamen Zukunft hinterlassen.
Am 11. Mai 1982, um 08:05 Uhr, wurde ich schließlich im evangelischen Krankenhaus in Mülheim an der Ruhr geboren. Wir wohnten zu dieser Zeit bei meinen Großeltern mütterlicherseits. Es war eine angespannte Atmosphäre, denn mein Vater geriet oft mit seinen Schwiegereltern aneinander. Inmitten dieser Konflikte und seiner eigenen, unverarbeiteten Trauer wurde ich zur Zielscheibe seiner aufgestauten Gefühle. Schmerz, Wut und Scham projizierte er auf mich, den Säugling, der vor ihm lag. „Der Bengel schreit immer, wenn ich ihn halte“, war sein Standardsatz beim Füttern. Es wurde zu seiner Grundhaltung: Er distanzierte sich emotional immer weiter von mir und blickte bald nur noch durch eine negative Brille auf alles, was ich tat.
Einen Gegenpol bildete mein Großvater, Opa Eickmeier. Er war gerade in Rente gegangen und widmete mir seine volle Aufmerksamkeit. Er nahm mich mit in den Duisburger Zoo, in die Gruga nach Essen oder zu Seniorentreffen. Da er Priester in der Neuapostolischen Kirche war, gehörte der Glaube fest zu meinem Alltag – ob ich wollte oder heute nicht. Sonntage, Feiertage, Hochzeiten oder Beerdigungen: Ich war immer dabei.
Kindheitsstreiche und erste Reisen
Wir lebten in einer typischen Industriestadt unter einem Dach mit den Großeltern. Eine Geschichte aus dieser Zeit ist legendär: Ich war knapp zwei Jahre alt und meine Mutter dachte, ich würde schlafen, während sie im Garten feierte. Doch ich war nur im Halbschlaf. Ich krabbelte aus dem Gitterbett, steuerte auf die steile Treppe zu und purzelte prompt die letzten Stufen hinunter. Unten angekommen, entdeckte ich das Badezimmer und die Schminksachen meiner Mutter. Ich verpasste mir ein komplettes „Make-over“ mit Lippenstift, Eyeliner und Rouge – nicht nur mein Gesicht, auch mein Schlafanzug und alles, was ich anfasste, war bunt verschmiert. So gezeichnet irrte ich durch das dunkle Kellerlabyrinth bis zur Gartentür. Der Schreck und das Gelächter der Gäste waren groß. Meine Mutter musste mich erst einmal mühsam abschrubben.
Auch mein Bruder blieb nicht verschont: Einmal stahl ich ihm ein bereits gepelltes Osterei und schob es mir im Ganzen in den Mund. Er suchte verzweifelt, bis er mich grinsend mit dicken Backen dasitzen sah. An die Urlaube jener Tage erinnere ich mich nur in Schlaglichtern: Wie meine Eltern mich im Kinderwagen die Berge bei Obermaiselstein hochzerrten, oder das Malheur in Bad Gandersheim, als ich behauptete, es habe in den Wohnwagen geregnet – dabei hatte ich schlichtweg ins Bett gemacht. Am Tankumsee lernte ich schmerzhaft die Bekanntschaft mit Disteln kennen, eine Erfahrung, die ich im Heißener Freibad wiederholte, als ich gerade im Begriff war, frech vom Beckenrand ins Wasser zu pinkeln.
Aufbruch und der Regen von Tschernobyl
1984 folgte der erste Umzug nach Bad Salzdetfurth. Mein Vater hatte dort eine Stelle bei der Firma Fuba angetreten. Meine Erinnerungen an diese kurze Zeit sind bruchstückhaft: Ich weiß noch, dass ich nach jedem Spaziergang ein Käsetoast verlangte – und einmal vor lauter Appetit vergaß, rechtzeitig aufs Klo zu gehen. Ich erinnere mich an „Oma Käßpohl“, eine alte Dame, die in einem winzigen Haus mit einer abenteuerlichen Treppe wohnte, die halb Leiter, halb Rundholz war. Doch das Haus, in dem wir lebten, hatte nasse Wände, und so zogen wir bald weiter nach Hildesheim in den Hansering 56.
Hier, im vierten Stock eines Mehrfamilienhauses, festigten sich meine Erinnerungen – und hier begann auch der Stress meines Lebens. Ich teilte mir ein eher dunkles Zimmer mit Torsten. Wenn ich vom Balkon hinuntersah, bekamen meine Beine die Konsistenz von Pudding. Im Erdgeschoss wohnte Familie Cordes. Deren Tochter wurde meine Spielgefährtin; ihren Namen merkte ich mir durch die Eselsbrücke zu meinen Cordhosen.
Ich kam in den neuen Kindergarten am Senseburger Ring. Wir bastelten, wanderten in die Hildesheimer Börde oder zum Unigelände. Doch ein Tag brannte sich tief ein: Es war der Tag, an dem die Nachricht vom Reaktorunglück in Tschernobyl Deutschland erreichte. Frau Cordes stürmte völlig aufgelöst in den Kindergarten, klitschnass vom Regen. Sie drängte uns hastig in ihr Auto, das direkt vor der Tür parkte. Zu Hause empfing mich meine Mutter nervös, riss mir die Kleider vom Leib und schrubbte mich in der Badewanne ab. Die Kleidung sah ich nie wieder. Dann gab es eine ekelhafte Jodtablette und das strikte Verbot, die Wohnung zu verlassen. Die Welt da draußen war plötzlich eine andere geworden.
Die Kirche und ich – Was nicht passt, passt nicht
In meiner Kindheit war die Kirche kein Ort, den man besuchte – sie war die Welt, in der ich stattfand. Ich wuchs in einem Umfeld auf, in dem der Glaube an vorderster Stelle stand. Mein Alltag war getaktet durch sakrale Pflichten: zweimal am Sonntag zum Gottesdienst, Mittwochabend erneut, dazu Konfirmationsunterricht, Weinbergsarbeit und endlose kirchliche Aktivitäten. Als Kind hinterfragt man das nicht; man kennt es schlichtweg nicht anders.
Besonders prägend war mein Großvater, der als Priester in der Neuapostolischen Kirche tätig war. Er nahm mich zu sämtlichen Veranstaltungen mit, was für mich oft eine deprimierende Erfahrung war. Während andere Kinder spielten, saß ich in einer Gesellschaft aus alten Leuten fest und musste mich irgendwie selbst beschäftigen. Soziale Kontakte zu Gleichaltrigen fehlten fast völlig. Stattdessen gab es Gott, Jesus und ein engmaschiges Netz aus strengen Regeln. Rückblickend fühlt es sich wie eine Form der Gehirnwäsche an – man lebte in einer Bubble, aus der ein Entfliehen unmöglich schien, erst recht, wenn ein Familienmitglied eine Machtposition innerhalb dieser Institution innehatte.
Zwischen Gehorsam und innerem Widerstand
Ich habe damals alles mitgemacht, vor allem, um nicht aufzufallen und um meiner Mutter zu gefallen. Ich hasste die befehlsartigen Pflichten: das stillsitzen müssen, das Zuhören, das Bloßgestelltwerden bei Weihnachtsfeiern, wenn man vor der gesamten Gemeinde Lieder singen oder Gedichte aufsagen musste. Dass ich heute eine tiefe Abneigung gegen die Kirche hege, verstehen viele nicht. Sie werfen mir vor, ich sei doch früher ein so „folgsames Kind“ gewesen. Doch dieser Gehorsam war kein Glaube, sondern das Resultat von Druck und dem Wunsch nach Harmonie.
Eigentlich hätte man meinen inneren Widerstand schon früh bemerken können. Bei meiner Konfirmation zum Beispiel wollte ich während der Zeremonie instinktiv den Rückwärtsgang einlegen, wurde aber vom Vorsteher physisch zurückgehalten. Auch meine Zeit im Kirchenchor war geprägt von Heuchelei: Während man Nächstenliebe predigte, führten andere Mitglieder hinter meinem Rücken eine Hetzkampagne gegen mein angebliches mangelndes Gesangstalent – dabei klang ihr eigener Gesang auch nicht besser.
Der Weg in die Freiheit
Der Tod meines Großvaters war für mich der Wendepunkt. Mit ihm starb auch die letzte Verpflichtung, und ich konnte mich endlich von der Kirche lösen. Zum ersten Mal in meinem Leben durfte ich mir meine eigene Weltanschauung aufbauen, ohne dass mir jemand vorgab, was ich zu denken oder zu glauben hatte. Heute stelle ich die Existenz eines Gottes in Frage und betrachte das System Kirche aus einer distanzierten Perspektive.
In meinen Augen ist die Kirche oft ein Zufluchtsort für Menschen, denen das Rückgrat für eine eigene Weltanschauung fehlt. Sie verlassen sich blindlings auf vorgekaute Vorlagen und machen sich von einer Institution abhängig, die diese Ergebenheit schamlos ausnutzt. Das finde ich zutiefst bedauerlich.
Ich respektiere die Entscheidung jedes Einzelnen, seinen Glauben zu leben. Doch im Gegenzug erwarte ich, dass man mich mit diesen Themen in Ruhe lässt. Ich halte mich von solchen Einrichtungen fern, denn sie tun mir nicht gut. Sie zielen auf Abhängigkeit ab – und meine mühsam gewonnene Freiheit werde ich nie wieder aufgeben.
Das Schweigen der Tiefe
Als kleines Kind verbrachte ich oft meine Ferien bei meinen Großeltern in Mülheim an der Ruhr. Ich war etwa fünf Jahre alt, als ich wieder einmal dorthin reiste – ohne die leiseste Ahnung, dass dieser Sommer mein Leben für immer prägen sollte.
Es war einer dieser drückend heißen Tage, an denen die Luft über dem Asphalt flimmert. Mein Großvater hievte das Schlauchboot auf das Autodach und wir machten uns auf den Weg zur Sechs-Seen-Platte nach Duisburg. An der Hauptbadestelle ließen wir das Boot zu Wasser. Ich erinnere mich noch genau an das grelle Orange des Gummis mit dem schwarzen Aufdruck. Zaghaft kletterte ich hinter meiner Großmutter hinein, gefolgt von meinem Großvater. Wir stießen vom Ufer ab.
Schon damals saß mir die Angst im Nacken. Ich fühlte mich winzig, umringt von den unendlichen Massen dieses trüben, dunklen Wassers, in dem der Grund ein unheimliches Geheimnis blieb. Jede Bewegung meiner Großeltern, jedes Schwanken des Bootes ließ mein Herz schneller schlagen. Die ständige Furcht vor einem Leck machte die Fahrt für mich zu einer Zerreißprobe.
Umso erleichterter war ich, als wir schließlich an einem unübersichtlichen, wilden Ufer anlegten. Endlich wieder festen Boden unter den Füßen! Während meine Großeltern nach dem Picknick einschliefen, begann ich am Uferrand zu spielen. Ich tastete mich mit den Beinen ins Wasser vor – bis plötzlich die Welt unter mir weg brach.
Von einem Moment auf den anderen verschwand der Boden. Die Stille des Wassers umschloss mich wie ein Grab. Ich strampelte verzweifelt, wollte schreien, doch meine Lungen füllten sich nicht mit Luft, sondern mit Panik. Die glitzernde Oberfläche schien meilenweit entfernt, unerreichbar. Über mir sah ich nur noch aufsteigende Luftblasen. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, und bei dem verzweifelten Versuch zu atmen, schluckte ich das ekelhafte, braune Seewasser. Es schmeckte modrig, metallisch, nach dem Tod. Es waren vermutlich nur Minuten, doch für mich dehnte sich diese Zeit in eine endlose Ewigkeit aus.
Gerade als die Erschöpfung mich übermannte und ich aufgeben wollte, spürte ich einen harten Griff. Passanten hatten mich entdeckt und meinen Großvater alarmiert. Er zog mich aus den Klauen des Sees.
Ich lag am Ufer, die Welt um mich herum, ein unscharfer Film aus Farben und Stimmen, die ich nicht verarbeiten konnte. Ich wusste nicht mehr, wer ich war oder wo ich mich befand. Immer wieder verkrampfte sich mein Magen, ich übergab mich und spie das dreckige Wasser aus mir heraus. Wir paddelten zurück, verstauten das Boot – ich funktionierte nur noch wie ein Roboter, unfähig, auch nur einen Ton von mir zu geben.
Auf der Rückfahrt nach Mülheim, irgendwo im Waldstück zwischen den Städten, brach mein Großvater das Schweigen. Seine Worte brannten sich tiefer ein als das Wasser in meinen Lungen: „Kein Sterbenswörtchen zu niemandem. "Vor allem nicht deinen Eltern.“
Ich war so verstört, so verängstigt, dass ich nur stumm nickte. Dieses Nicken wurde zu einem Vertrag, den ich Jahrzehnte einhielt. Heute quälen mich die Fragen: Warum sind wir nicht ins Krankenhaus gefahren? Warum wurde meine Beinahe-Katastrophe zum Familiengeheimnis degradiert?
Mein Großvater nahm die Antworten 2002 mit ins Grab. Meine Großmutter ist in den Nebeln ihrer Demenz gefangen; sie kann mir keine Klarheit mehr schenken. So blieb mir nur der Weg zu mir selbst. In der Therapie versuche ich heute, das Kind von damals aus dem dunklen Wasser zu ziehen. Doch die Erinnerung – der metallische Geschmack und die Last des Schweigens – sie schwindet nicht.
Urlaub und andere Reisen
Wenn ich auf meine bisherigen Reisen zurückblicke, entfaltet sich vor meinem inneren Auge eine bunte Landkarte voller Erinnerungen – von den ersten Campingabenteuern als Kleinkind bis hin zu prägenden politischen Bildungsreisen.
Die frühen Jahre: Zwischen Natur und Familie
Meine Reisebiografie begann ganz beschaulich. Als Kleinkind verbrachte ich Zeit im idyllischen Obermaiselstein, doch meine frühesten Erinnerungen sind vor allem vom Camping geprägt. Ob an der niederländischen Nordseeküste, in Bad Gandersheim oder am Tankumsee – das Leben im Freien gehörte einfach dazu. Wenn wir nicht gerade die Zeltheringe einschlugen, verbrachten wir viel Zeit bei der Verwandtschaft, was mich regelmäßig zu meinen Großeltern nach Mülheim an der Ruhr oder nach Braunschweig führte.
Auch während der Grundschulzeit blieb die Familie unser wichtigster Anlaufpunkt, mit einer schönen Ausnahme: einem Urlaub in einer Ferienwohnung in Braunlage. Der Harz sollte später noch öfter eine Rolle spielen. Ein ganz besonderes Kapitel der frühen 90er Jahre war zudem meine Kinderluftkur in Sankt Peter-Ording, wo ich die heilende Meeresluft an der Nordsee genießen durfte.
Die Ära des Wohnmobils: Deutschland und Europa entdecken
In meiner Jugend und den darauffolgenden Jahren änderte sich unsere Art zu reisen grundlegend: Das Wohnmobil wurde zu unserem treuen Begleiter. Wir durchquerten ganz Deutschland und darüber hinaus. Unvergessen ist die Tour entlang der Ostsee bis nach Rügen und Zingst.
Eine der beeindruckendsten Reisen führte uns auf einer großen Route von Berlin nach Dresden – ich erinnere mich noch genau, wie die Frauenkirche damals noch in Einzelteilen in Regalen stand, während wir den Zwinger und die Semperoper bewunderten. Weiter ging es durch die Sächsische Schweiz nach Prag und Wien, wo wir den Prater und Schloss Schönbrunn besuchten. Über Bad Tölz, den Bodensee und den Titisee arbeiteten wir uns bis nach Freiburg vor. Den Abschluss bildeten Orte wie Hann. Münden – wo Werra und Fulda sich "küssen" – und die Lüneburger Heide bei Hermannsburg.
Auch mit meinem Brieffreund Marko war ich unterwegs. Unsere Tour führte uns von Bad Sachsa über das Sauerland bis an die Mosel, wo wir die Burg Eltz und die Festung Mont Royal in Traben-Trarbach erkundeten. Ein Wander-Highlight war der Aufstieg zum Brocken von Torfhaus aus.
Highlights und unvergessliche Begegnungen
Zwei Reisen aus dieser Zeit ragen besonders heraus:
1994 – Disneyland Paris: Wir residierten in der Sequoia Lodge, tauchten tief in die Disney-Welt ein und besuchten die spektakuläre Buffalo Bill Wild West Show.
2000 – Tunesien: Eine Flugreise führte mich ins 5-Sterne-Hotel Amir Palace. Neben dem Treffen mit dem damaligen französischen Präsidenten Jacques Chirac blieben mir vor allem die optischen Reize in Erinnerung: braungebrannte Männer in engen Speedos waren damals eine echte Augenweide.
Zwischendurch gab es ruhigere Momente, wie den Osterurlaub in Kell am See, von wo aus wir Trier und die Edelsteinstadt Idar-Oberstein besuchten.
Bildung, Gesundheit und Familie
Mitte der 2000er Jahre verlagerte sich der Fokus auf politische Bildungsreisen. 2005 führte mich der Weg nach Berlin, und 2006 erlebte ich die besondere Atmosphäre der Fußball-WM während einer Reise nach Straßburg.
In den darauffolgenden Jahren standen meine Gesundheit und die Familie im Vordergrund. Ich absolvierte zwei Reha-Aufenthalte: 2010 in der Burgklinik in Stadtlengsfeld und 2012 in Bad Rothenfelde. Die letzten großen gemeinsamen Unternehmungen waren zwei Familienurlaube – 2014 im Hochsauerland in Medebach und 2015 an der Mecklenburgischen Seenplatte in Mirow.
Seit 2015 gab es für mich leider keinen Urlaub mehr, was die Erinnerungen an all diese vielfältigen Erlebnisse nur umso wertvoller macht.
Schattenjahre: Meine Schulzeit
In meiner Schulzeit war ich die meiste Zeit ein Außenseiter. Ich war das Kind, mit dem niemand spielen wollte – derjenige, der gemobbt, gehänselt und regelrecht als menschlicher Prellbock missbraucht wurde.
Alles begann in Hildesheim. Ich erinnere mich an den endlosen Weg zur Grundschule in der Greifswalder Straße. Als kleines Kind kam mir die Strecke vom Hansering wie eine Ewigkeit vor: vorbei am alten Kindergarten, durch den Sportpark, vorbei an Wohnsiedlungen und über das Universitätsgelände. Von der Zeit im Klassenzimmer sind mir nur vage Bruchstücke geblieben – das Basteln von Salzteig Keksen im Advent ist eine der wenigen friedlichen Erinnerungen.
Doch die Ruhe hielt nicht an. Während des ersten Schuljahres zogen wir nach Altenholz-Klausdorf um, wo ich die erste Klasse wiederholen musste. Dort erlebte ich Dinge, die mich bis heute körperlich prägen: Unsere Klasse musste in einen Container umziehen, weil das Schulgebäude hochgradig mit Schimmelpilzen verseucht war. Ich bin mir sicher, dass dort der Ursprung meiner chronischen Allergien liegt. Meine Konzentration litt massiv, ich fühlte mich oft abwesend, und einmal schwänzte ich aus purer Not die Schule.
Das Trauma im Wasser
Im dritten Schuljahr folgte der nächste Umzug nach Eckernförde. Die neue Klasse fühlte sich vom ersten Tag an feindselig an; weder mit den Mitschülern noch mit den Lehrern wurde ich warm. Dann kam der Schwimmunterricht in der vierten Klasse.
Ich war damals noch Nichtschwimmer. Ich sehe es noch genau vor mir: Die Schwimmlehrerin rief mich zum Startblock, streifte mir Schwimmflügel über und zwang mich an den Beckenrand. Ich hatte panische Angst. Alle starrten mich an. Manche lachten, während ich dort wie der letzte Depp stand, unfähig zu springen. Schließlich verlor die Lehrerin die Geduld. Trotz meiner Gegenwehr stieß sie mich einfach ins tiefe Wasser.
In diesem Moment explodierte die Panik in mir. Ein altes Trauma von der Sechs-Seen-Platte in Duisburg kam hoch – ich sah mich wieder ertrinken. Dank der Schwimmflügel trieb ich an die Oberfläche, während man mir nur kaltherzig zurief: „Schwimm an den Rand!“ Zitternd und nach Luft ringend rettete ich mich zur Leiter. Die Lehrerin sagte nur im Vorbeigehen: „War doch nicht so schlimm.“
Klassenfahrten und andere Fahrten in der Schulzeit
Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, sind es vor allem die Klassenfahrten, die als besondere Meilensteine in meiner Erinnerung geblieben sind. Meine Reisejahre begannen bereits in der Grundschule: In der ersten 4. Klasse führte uns unsere Lehrerin Frau Ute Jacobsen an die Nordsee nach Wyk auf Föhr. Dass ich die 4. Klasse zweimal erlebte, bescherte mir direkt das nächste Abenteuer – in der zweiten 4. Klasse ging es unter der Leitung von Frau Ursula Batke nach Borgwedel an die Schlei.
Mit dem Wechsel in die Orientierungsstufe begleiteten mich Herr Wolf-Dieter Kuske und Frau Brigitte Kohn durch viele spannende Jahre. In der 5. Klasse verbrachten wir unsere Zeit in der Jugendherberge Westensee, ein Ziel, das uns so gut gefiel, dass wir in der 6. Klasse nach einem Aufenthalt in der Jugendherberge Hassberg gleich noch ein zweites Mal dorthin zurückkehrten. In der 7. Klasse wurde es dann bergig: Wir reisten in den Harz zur Jugendherberge Torfhaus.
Ein absolutes Highlight war im selben Jahr mein erster großer internationaler Trip – ein Schüleraustausch nach England. Ich wohnte bei einer Gastfamilie in Mountfitchet bei Bishop's Stortford und erkundete von dort aus das beschauliche Örtchen Newport, das idyllisch zwischen Cambridge und London liegt.
Gegen Ende meiner Schulzeit wurden die Fahrten noch einmal richtig spektakulär. In der 9. Klasse tauschten wir das Klassenzimmer gegen das Deck des Segelschiffs Petro Donka. Zusammen mit Frau Brigitte Kohn und Herrn Rudolf Giseler unternahmen wir einen Segeltörn auf der Ostsee, der uns von Kiel über Sonderborg und Fåborg bis nach Langeland und schließlich zurück nach Kiel führte. Den Abschluss meiner Reiseerlebnisse bildete in der 10. Klasse ein Ausflug zur Expo 2000 nach Hannover, bei dem uns Frau Kohn und Herr Giseler ebenfalls begleiteten.
Der Spießrutenlauf
Nach diesem Vorfall brach ich innerlich zusammen. Oft saß ich in der Klasse lieber unter dem Tisch als daran. Ich wiederholte die vierte Klasse, doch der wahre Albtraum begann erst an der IGS Eckernförde. Über Jahre wurde ich systematisch gemobbt, bedroht und bedrängt. Die Lehrer schauten weg oder taten so, als sähen sie nichts.
Mein Schulweg wurde zum Spießrutenlauf. Ständig drohten mir Mitschüler mit Schlägen, sodass ich jeden Tag neue Schleichwege finden musste, um heil anzukommen. Selbst zu Hause war ich nicht sicher: Klingelstreiche, Steine gegen meine Fensterscheiben und Müll in unserem Garten gehörten zum Alltag.
Der Tag, der alles veränderte
Nach der neunten Klasse verschwanden die schlimmsten Unruhestifter, doch nun nahmen mich die Lehrer ins Visier. Allen voran meine Klassenlehrerin, die mich spüren ließ, dass sie mich längst aufgegeben hatte.
Dann kam der Prüfungstag. Der Druck auf meinen Schultern war so gewaltig, dass mein Kopf einfach abschaltete. Ich rechnete und schrieb Dinge nieder, die keinen Sinn ergaben. Bei der Notenbekanntgabe wurde jeder einzeln auf den Flur zitiert. Als ich an der Reihe war, wurde es um mich herum dunkel und eisig.
Ich setzte mich zu meiner Lehrerin auf die Heizung. Ihr gleichgültiger Blick verriet mir alles. Dann sprach sie den Satz aus, der sich wie ein Brandeisen in meine Seele grub und mich bis heute verfolgt:
„Aus dir wird nie etwas, du hast versagt!“
In diesem Moment zerbrach etwas in mir. Ich konnte kein Wort mehr sagen. Zu Hause sackte ich weinend zusammen und dachte zum ersten Mal ernsthaft daran, mein Leben zu beenden. Nur der Gedanke an meine Mutter, der ich diesen Schmerz nicht antun wollte, hielt mich zurück.
Die letzten Schultage verbrachte ich wie ein Geist. Bei der Zeugnisübergabe nahm ich das Papier entgegen und rannte sofort weg. Eine Abschlussfeier gab es für mich nicht. Mein Leben fühlte sich an wie ein Scherbenhaufen. Diese Last, diese Schmach, trage ich nun schon so lange mit mir herum – und seit diesem Tag bin ich nie wieder auf einen grünen Zweig gekommen.
Ich und meine Sexualität – Ja, ich bin schwul!
Schon als Kind wurde mir eingebläut, dass es nur die eine „wahre“ Liebe gäbe: die zwischen Mann und Frau. Eine Zeit lang glaubte ich das selbst, doch tief in mir fühlte es sich immer anders an. Während Gleichaltrige begannen, sich für Mädchen zu interessieren, blieb bei mir die Resonanz aus. Mein eigentliches Erwachen begann ungeplant auf einer Fahrradtour zum Hünengrab bei Goosefeld. Ein damaliger Kumpel hatte in einer Zeitschrift von Männern gelesen, die Sex miteinander hatten, und wollte das ausprobieren. Aus reiner Neugier stimmte ich zu. Wir wussten beide nicht, wie das wirklich funktionierte, und so blieb es bei gegenseitigen Erkundungen. Der Versuch einer Penetration misslang, doch in diesem Moment wurde ein Schalter in mir umgelegt. Mein Interesse an Jungen und Männern war geweckt.
Zuerst diente mein Biologiebuch als heimliche Inspirationsquelle; ich suchte nach den Abbildungen nackter Männer unter der Dusche. Später kam die Bravo hinzu, doch mein Blick galt nie den Mädchen, sondern den Jungen. In der Schule faszinierte es mich, wenn sie im Sommer oben ohne Fußball spielten – ein Anblick, der mich zutiefst erregte. Ein Meilenstein meiner Entdeckungsreise war ein „Schmuddelheftchen“ namens Coupé, das ich bei meinem Bruder fand. Ich erinnere mich noch genau an ein Interview mit einem Erotikdarsteller in einer goldenen Unterhose. Der Fokus auf die pralle Wölbung darin turnte mich regelrecht an. Irgendwann war ich alt genug, mir selbst Hefte zu kaufen, schließlich auch Hardcore-Magazine, die ich wie einen kostbaren Schatz hütete.
Doch dann kam der Tag, der mein Leben verändern sollte. Es war während eines Schulflohmarkts, an dem meine Mutter, meine Schwester und ich einen Stand betreuten. Plötzlich tauchte mein Vater auf, außer sich vor Wut. Er zerrte mich in die Schultoilette, knallte eines meiner Hefte auf die Waschbeckenarmatur und brüllte mich an: „Was ist das? Was fällt dir ein? Wenn das wahr ist, bist du nicht mehr mein Sohn!“ Ich war wie gelähmt, brachte kein Wort heraus. Zu Hause folgte die totale Demütigung: Er zwang mich, all meine Hefte in aller Öffentlichkeit zu zerreißen. In diesem Moment brach meine Welt zusammen.
Dieses Erlebnis brannte sich tief ein. Ich wurde extrem vorsichtig, denn ein solch homophobes Verhalten wollte ich nie wieder spüren. Zwar zog ich später von zu Hause aus und gewann an Freiheit, doch die Einschüchterung saß so tief, dass ich kein wirklich gesundes Sexualleben entwickeln konnte. Das „Damoklesschwert“ der Vergangenheit schwebt bis heute über mir. Es ist mir nie gelungen, eine feste Beziehung aufzubauen – etwas, das mir heute schmerzlich fehlt. Ich sehne mich danach, mich in den Armen eines Mannes geborgen zu fühlen und gemeinsam durchs Leben zu gehen.
Obwohl ich heute offen zu meiner Sexualität stehe, entscheide ich sehr genau, wem ich mich anvertraue. Die Angst vor Ablehnung bleibt ein ständiger Begleiter. Auch ein späterer Versuch, mein Herz zu öffnen, endete in einer Enttäuschung: Als ich mich unsterblich verknallte und Kollegen mir helfen wollten, meinem Schwarm meine Liebe zu gestehen, machte eine dritte Person alles zunichte. Durch gehässiges Dazwischenreden wurde die Situation so vergiftet, dass daraus nichts werden konnte. Das war ein schwerer Rückschlag.
Trotz allem bleibt die Hoffnung. Ich träume nicht mehr nur innerlich davon, sondern hoffe jeden Tag darauf, irgendwann einem netten Mann zu begegnen, mit dem ich nicht mehr nur allein, sondern gemeinsam in die Zukunft blicken kann.
Abenteuer auf der Jomsburg: Meine Jahre als Pfadfinder
Mit meinem Beitritt zu den Pfadfindern im Oktober 1995 begann eine Zeit, in der ich meinen Interessen endlich nachgehen konnte. Rückblickend ist dies eine meiner schönsten Erinnerungen: Ich konnte mich intensiv mit der Natur beschäftigen, Kontakte zu anderen Jugendlichen mit gleichen Interessen knüpfen und mich in die dortige Gemeinschaft einbringen. Das schönste Erlebnis war die Großfahrt nach Dalarna in Schweden. Die dortige Landschaft und die Freundlichkeit der Menschen haben mich so fasziniert, dass ich mich heute noch nach dieser Zeit zurücksehne.
Prasselnde Lagerfeuer, Klampfenklänge, Nächte in der Kothe und mit anderen Pfadfindern neue Wege gehen – ja, das waren Dinge, an die ich mich gerne zurückerinnere. Mein Pfadfindername ist Manitou. Meine Sippe hieß Waräger, dort war ich stellvertretender Sippenführer. Ich gehörte zum Stamm Strybjørn, der in Eckernförde ansässig war. In diesem Stamm war ich Stammesfähnrich und trug stolz das Banner. Der Stamm Strybjørn gehörte neben den Stämmen Goten (Kiel) und Vaganten (Schwedeneck) zum Pfadfinderbund Jomsburg e.V., der seinen Sitz in Dänisch-Nienhof hat, wo auch die Jugendburg steht.
Die Großfahrt nach Spanien (1998)
Der Aufbruch
Es war der 9. Juli 1998 – ein Tag, der den Übergang vom Alltag in die grenzenlose Freiheit markierte. Mein Vater brachte mich von Eckernförde zum Kieler Hauptbahnhof. Ein kurzes Abschiedswinken, dann verschluckte mich das Gebäude. Die Rolltreppe hinauf zur Bahnhofshalle fühlte sich an wie die Rampe in eine andere Welt. Oben, bei den Schließfächern, sammelte sich bereits das vertraute Bild aus Klampfen, Fahrtenmessern und Rucksäcken.
Nachdem meine Sippe eingetroffen war, bildeten wir einen großen Kreis. Inmitten des Bahnhofstrubels besprachen wir letzte Formalitäten wie Fahrpläne und Notfallnummern. Dann erklang das Abschiedslied; unsere Stimmen mischten sich mit dem fernen Quietschen der Züge. Wir erhielten weiße Schirmmützchen und unsere Fahrtenhefte, bevor wir die Regionalbahn nach Hamburg bestiegen. Die Stimmung war ausgelassen, Lieder wurden geschmettert und das Abteil war erfüllt von Vorfreude.
Paris: Zwischen Prachtbau und Fanmeile
Nach dem Umstieg in Hamburg glitt unser Nachtzug hinaus in die Dunkelheit. Während Städte wie Bremen, Münster und Dortmund an den Fenstern vorbeizogen, fielen mir hinter Krefeld die Augen zu. Erst die Durchsage „Paris Gare du Nord“ weckte uns aus dem unruhigen Schlaf.
Paris empfing uns mit der Hektik einer Weltmetropole. Wir durchquerten den riesigen Bahnhof im Eiltempo, wechselten zur Metro und fuhren quer unter der Stadt zum Gare d’Austerlitz. Nach der Einteilung der Gepäckwachen erkundeten wir die Stadt. Unser Ziel war der Eiffelturm, doch die endlosen Schlangen vor den Liften ließen uns schnell umplanen. Am Seineufer geschah es dann: Ein Straßenkünstler begann ungefragt, mein Porträt zu zeichnen – eine unfreiwillige Erinnerung. Den Kontrast dazu bot die WM-Fanmeile an einem nahen Sportplatz, wo die Euphorie des Turniers greifbar war. Doch die Pflicht rief: Um 17:30 Uhr bestiegen wir den Nachtzug nach Irún.
Der rollende Backofen
In aller Frühe erreichten wir die spanische Grenze. Nach dem Umstieg änderte sich das Klima schlagartig. Je höher die Sonne stieg, desto unerträglicher wurde die Hitze. Die Klimaanlage war defekt, und das Thermometer im Wagen kletterte auf über 60 °C. Es war ein Überlebenskampf. Der Schweiß rann uns in Strömen von der Stirn. Um eine Katastrophe zu verhindern, ließ der Schaffner während der Fahrt die Außentüren offen, damit ein Hauch von Fahrtwind in den „rollenden Backofen“ drang. Schweißgebadet erreichten wir am späten Nachmittag Santiago de Compostela und stiegen erschöpft die großen Treppen zur Altstadt hinauf.
Villagarcia: Feuerwache und Weltmeister-Träume
Der Aufenthalt in Villagarcia de Arousa grenzte an ein Wunder: Ein Einheimischer lud unsere 30-köpfige Truppe ein, in der örtlichen Feuerwache zu schlafen. Wir lagerten zwischen glänzenden Löschfahrzeugen; der Geruch von Diesel und Bohnerwachs lag in der Luft. Drei Tage lang war dies unser Zuhause. Wir besuchten den Strand und freundeten uns mit den lokalen Jugendlichen an.
Abends im Park vor der Wache machten wir Lagerfeuer und kochten gemeinsam. Ein bizarrer Anblick blieb uns im Gedächtnis: Ein Baumstumpf, der über und über mit gebrauchten Heroinspritzen gespickt war. Während des WM-Finales tippten fast alle auf Brasilien – doch ich blieb bei Frankreich und behielt recht: Frankreich wurde Weltmeister 1998.
Vilanova: Zitronenduft und Hundeküsse
Der Weg nach Vilanova de Arousa war eine sensorische Achterbahn. Wir pflückten frische Zitronen am Wegesrand, deren Säure uns belebte, nur um kurz darauf in Vilanova vom beißenden Gestank verrottenden Fisches begrüßt zu werden. Wir schlugen unser Lager in einem Waldstück auf.
Eines Morgens wurde ich durch einen feuchten Hundekuss eines Beagles geweckt, dessen Besitzer schmunzelnd danebenstand. In Vilanova verflog die Zeit zwischen Strandbesuchen und Nächten in der „Goofy-Disco“. Die Gastfreundschaft der Spanier war überwältigend: Als uns der Regen in eine Kneipe trieb, servierte uns der Wirt ungefragt Cola und frittierte Schnecken – eine Geste, die wir nie vergaßen.
Der Weg nach Codeseda
Über Estrada, wo uns eine Familie in ihrer luxuriösen Finca duschen und essen ließ, führte mich mein Weg schließlich allein durch die galicische Landschaft nach Codeseda. Vorbei an Olivenhainen und Weinreben wanderte ich durch die „Walachei“, verrichtete meine Notdurft mangels Klopapier mit großblättrigen Pflanzen und erreichte schließlich das Hauptlager.
In den letzten Tagen erlebten wir eine Lagerolympiade, Fußballspiele auf Betonböden und ein packendes Geländespiel im Maisfeld. Den krönenden Abschluss bildete die Pfadfindertaufe: Mit einer Taufbrühe aus Essensresten, Kuhfladen und Petroleum wurden wir getauft. Daniel wurde zu „Peter Pan“ und ich erhielt offiziell den Namen „Manitou“. Nach einer Reinigung im kalten Fluss schliefen wir am Lagerfeuer ein.
Die Heimkehr
Die Rückreise führte uns über Paris, Brüssel und Köln zurück in den Norden. In Paris wartete noch eine letzte Herausforderung: Die Steh-Toiletten im Nordbahnhof, die ich dankend ablehnte, um auf den Komfort des TGV zu warten. In Kiel schloss sich der Kreis. Am Schließfach-Sammelplatz sangen wir ein letztes Mal unser Abschiedslied, bevor uns unsere Familien in Empfang nahmen – bereit, all die unglaublichen Geschichten dieses Sommers zu hören.
Großfahrt nach Dalarna, Schweden (1999)
Vorbereitung: Nachthawik auf der Jomsburg
Kurz vor der eigentlichen Fahrt gab es ein Nachthawik zur Vorbereitung. Es hätte sprichwörtlich ins Wasser fallen können, da das Wetter es nicht gut mit uns meinte: Es regnete in Strömen, begleitet von Sturm und einem heftigen Gewitter. Doch mitten in der Nacht milderte sich das Wetter, und wir begannen unsere Tour. In Ponchos eingepackt liefen wir mit vollem Gepäck in die Nacht hinaus. Unsere Sippe lief Posten an, an denen wir Fragen beantworten oder pfadfindertechnische Aufgaben lösen mussten. Es gab auch „stille Posten“, die nur aus Zetteln bestanden und in der Dunkelheit schwer zu finden waren. Wir erfüllten alles mit Bravour.
An der Küste bei Krusendorf hörte der Regen endlich auf. Wir stapften über nasse Koppeln zum letzten bemannten Posten. Von dort aus sahen wir, wie das Gewitter über die Eckernförder Bucht hinwegzog – ein wunderschönes Naturschauspiel. Nach den letzten Aufgaben stapften wir durch den Sand an der Steilküste zurück zur Burg, wo wir vor Erschöpfung in die Schlafsäcke fielen. Nach dem Waschen am Strand und einem gemeinsamen Frühstück hieß es Abschied nehmen und Heimfahren.
Die Reise nach Norden
Am 1. August 1999 trafen wir uns auf der Jomsburg. Wir bildeten einen Kreis um den Fahnenmast, tauschten letzte Infos aus und sangen das Abschiedslied. Um 15 Uhr startete der Bus. Die Route führte uns über Sprenge nach Kiel, durch die Plöner Seenlandschaft und über die Fehmarnsundbrücke nach Puttgarden. Mit der Vogelfluglinie setzten wir nach Rödby über, durchquerten Fünen, passierten Kopenhagen und nahmen in Helsingør die Fähre zum schwedischen Festland.
Von Helsingborg ging es an der Küste entlang bis Göteborg und weiter in die schwedische Nacht. Während viele im Bus dösten, hielten wir nur kurz für „Geschäfte“ an. Kurz vor Malung wurden die meisten Gruppen für ihre Sippenex (Sippen-Expedition) entlassen. Der Rest fuhr weiter zum Hauptlager am südlichen Öjesee bei Haseset. Der Anblick bei der Ankunft war unvergesslich: Der See dampfte wie ein kochender Topf, und dichter Nebel hüllte den Boden ein. Wir bauten die Gemeinschaftsjurte und unsere Kothen auf. Daniel und ich bauten unsere Kothe nah am See, gönnten uns ein kurzes Nickerchen und sprangen dann ins Wasser. Den ersten Tag verbrachten wir mit der ersten „FlaPa“ (Fahrtenplanung) und Lagerbauten. Am nächsten Tag packten Daniel und ich zusammen mit Cäsar, Michael, Jakob und Adrian unsere Sachen. Tomte fuhr uns mit dem weißen VW-Bus nach Mora – der Startpunkt unserer Sippenex.
Die Sippenex: Auf dem Vasaloppsleden
Es war ein bewölkter Tag im August. Wir standen am Siljansee direkt an den Bahnschienen und verabschiedeten uns von Tomte. Zuerst deckten wir uns im Lebensmittelladen mit Vorräten ein und marschierten dann los. Wir bogen auf den historischen Vasaloppsleden ein – den Weg, den einst der schwedische König auf der Flucht vor seinen Feinden genommen haben soll und auf dem heute der berühmte Wasalauf stattfindet (90 km von Sälen nach Mora).
Über Stock und Stein, bergauf und bergab ging es durch Wälder und Felder. In Eldris überraschte uns stetiger Sprühregen. Auf einer großen Wiese am Bach bauten wir drei „Lokomotiven“ auf – Übernachtungsmöglichkeiten aus zwei Kothenbahnen, die zusammengeknüpft und mit zwei Stangen sowie selbstgeschnitzten Heringen aufgestellt wurden. Jakob und Adrian teilten sich eine, Cäsar und Michael die zweite und Daniel und ich die dritte. Da die Fußenden der Schlafsäcke durch den Regen klamm wurden, hatten wir am Morgen nasskalte Füße. Zum Glück retteten uns trockene Socken.
An einer Pumpe füllten wir unsere Feldflaschen auf und passierten eine Schutzhütte, über die wir uns im Nachhinein ärgerten, da wir sie nicht genutzt hatten. Später suchten Daniel und ich in einer Siedlung nach Wasser. Eine ältere Dame öffnete uns und antwortete zu unserem Erstaunen auf Deutsch. Sie lud uns in ihr rustikales Haus ein, befüllte unsere Flaschen und schenkte uns jedem eine Cola und Schokolade.
In Höcksberget machten wir unter einem Baum Rast. Michael wollte ein Foto mit dem schönen Hügel-Hintergrund machen – leider habe ich dieses Bild nie zu sehen bekommen. Weiter ging es zur nächsten Schutzhütte. Dort lasen wir im Gästebuch von Wanderern, die einem Bären begegnet waren, der vor der Hütte herumlungerte. Das Kopfkino sorgte für ein mulmiges Gefühl; niemand wollte mehr allein zum Plumpsklo. Nach Reis vom Feuer und tiefen Gesprächen wagten wir nachts nur mit Kerze den Sprint zum Klo.
Trampen und Camping-Trubel
Wir begegneten den ersten Wasalauf-Läufern und wanderten im Gegenstrom bis Gopshus. Von dort beschlossen wir, nach Älvdalen zu trampen. In Zweiergruppen aufgeteilt, erreichten wir zügig die Kirche von Älvdalen. Wir schlugen unser Lager am Fluss bei einem Campingplatz auf, geschützt durch Hecken. Während ich das Abendessen kochte, fühlte ich mich wie bei einer Kochshow, da viele Spaziergänger stehen blieben und zuschauten.
Am nächsten Tag wanderten wir den Fluss entlang und trampten zurück nach Mora. Daniel und ich wurden von einem deutschen Auswanderer in einem rostbraunen Jeep mitgenommen, der dort als Waldarbeiter lebte. In Mora trafen wir die anderen und schlenderten über einen Jahrmarkt am Hafen. Unser Nachtlager errichteten wir auf einer schmalen Landzunge am Siljansee mit Blick auf den Sonnenuntergang über Mora.
Moorwege und neugierige Wusel
Es begann zu regnen. Michael holte den VW-Bus und brachte uns nach Johannisholm. Von dort wanderten wir zu fünft am südlichen Venjansee entlang. Am nächsten Morgen beobachteten uns neugierige Eichhörnchen beim Waschen am See. Unser Weg führte uns über einen gefährlichen Plankenweg durch ein Moor – ein Tritt daneben bedeutete, in der braunen Brühe zu versinken.
Wir erreichten ein Haus am See und lagerten auf dem Steg. Das dortige Plumpsklo war kurios: Die Wände waren mit Aktfotos tapeziert. Beim „Geschäft“ im flackernden Kerzenschein wirkte es, als würden sich die Bilder bewegen. Nach einem Bad im See (splitterfasernackt!) wanderten wir nach Venjan, wo wir eine Sonnenfinsternis beobachteten – ein beeindruckendes Naturschauspiel. Über Landstraßen und Feldwege, geplagt von unzähligen Bremsen, erreichten wir Åsen.
Die Schauergeschichte in der Kothe
Abends in der Kothe erzählte ich eine Geschichte, in die ich meine Gefährten einbaute:
Wir rasteten in einem dunklen Wald. Einer erwachte allein und fand sich zwischen halbverwesten Leichen wieder. Er entdeckte einen Gefährten, der blutüberströmt und entmannt an einem Baum hing. Auf der Flucht fiel er in ein Loch, das in einen Tunnel führte. Dort traf er auf einen unheimlichen alten Mann mit einem blutigen Ritualmesser. Er fand einen weiteren Gefährten, verstümmelt auf einem Steintisch. Der alte Mann erstach den Jungen vor seinen Augen. Auf der weiteren Suche sah er durch ein Gitter einen Freund, der an einen Mühlstein gefesselt über einem Säurebecken hing und darin qualvoll starb. Ein dritter Gefährte wurde in einer Zelle gefunden, stürzte jedoch in eine Grube voller giftiger Schlangen und Skorpione, während der alte Mann hämisch lachte. Schließlich versuchten die Überlebenden, durch ein Loch in der Decke zu fliehen, doch das Erdreich stürzte ein und begrub sie.
Als ich im Traum aufwachte, war ich erleichtert, dass alle munter neben mir lagen. Die Jüngeren hatten jedoch sichtlich unruhig geschlafen.
Rückkehr ins Hauptlager
Wir wanderten weiter, füllten Wasser an Bächen auf und kauften in Öje Vorräte. An einer Schleuse am Öjesee sprangen Daniel und ich wieder nackt ins Wasser und ließen uns die Sonne auf die Körper scheinen. Am nächsten Tag stapften wir erneut durch Unterholz und Moor (wieder mit Stöcken zur Sicherung), vorbei an zerfallenen Schwedenhäuschen.
In einer Ruine kochte ich Käsenudeln mit Zwiebeln. Bevor wir das Hauptlager erreichten, unternahmen wir eine „Beuterunde“: Wir schlichen uns nachts ins Lager und stahlen die Bundesfahne. Am nächsten Vormittag marschierten wir laut singend und die Fahne stolz schwingend ins Hauptlager ein – das Entsetzen über die mangelnde Wachsamkeit war groß!
Die letzte Woche im Hauptlager war gefüllt mit Olympiaden, Backofenbau, einem von mir vorbereiteten Geländespiel, Wäschewaschen und der Pfadfindertaufe (durchgeführt von Cäsar und Michael in weißen Stofffetzen). In einer Ruine feierten wir eine Pfadfinderhochzeit, und beim Thing wurde ich zum Knappen ernannt. Schließlich kam der Bus. Die Rückreise über Helsingborg, Rödby und Puttgarden verlief schnell. Zurück auf der Jomsburg bildeten wir die letzte Abschiedsrunde, bevor uns unsere Familien abholten.
Fahrtenlied: Nordwärts, nordwärts
Nordwärts, nordwärts wolln wir ziehen zu den Bergen und den Seen,
wollen neues Land erleben, wolln auf Fahrten geh'n.
Wollen frei, so wie ein Vogel, wiegen uns im kalten Wind,
wolln den Ruf der Wildnis hören, wenn wir glücklich sind.
Wolln durch Moor und Sümpfe waten, abends legen uns zur Ruh,
Klampfen sollen leis erklingen, singen immerzu.
In der Kothe brennt ein Feuer, füllt uns alle mit Bedacht.
Schlaf senkt sich auf uns hernieder, doch die Wildnis wacht.
Käutzchenschreie, Bäume rauschen bis zum frühen Morgengrau.
Über ausgequalmtem Feuer strahlt der Himmel blau.
Wenn wir wieder heimwärts ziehen, sehnet jeder sich zurück.
Denkt an die vergangnen Fahrten, an vergangnes Glück.
Nordwärts, nordwärts wolln wir wieder, zu den Bergen und den Seen, dieses Land nochmal erleben und auf Fahrten gehn.
Großfahrt 2001: Von der Jomsburg in die Südtiroler Berge
Die Reise begann in der vertrauten Jomsburg. Während die meisten gemeinsam anreisen, machte ich mich mit dem ÖPNV auf den Weg nach Surendorf und marschierte das letzte Stück zu Fuß zur Burg. Ich war tatsächlich der Erste auf dem Gelände. Nach und nach trudelten die anderen Pfadfinder ein, bis die Gruppe vollzählig war. Im traditionellen Abschiedskreis verabschiedeten wir uns von unseren Verwandten und Freunden, bevor wir die Rucksäcke in den Bauch des Reisebusses hievten und unsere Plätze einnahmen. Dann ging es los: Der Motor dröhnte auf, und wir rollten vom Gelände in Dänisch-Nienhof über die Autobahn Richtung Süden.
Die Fahrt zog sich über Kiel, Hamburg und Nürnberg bis zur österreichischen Grenze bei Kufstein. Während wir durch die Nacht rauschten, passierten wir Innsbruck und den Brenner. Gegen vier Uhr morgens tauchten die ersten Umrisse der Südtiroler Bergwelt im fahlen Zwielicht auf. Bevor wir unser eigentliches Ziel Terenten ansteuerten, hielten wir mehrfach an, um die Sippen an verschiedenen Punkten abzusetzen, damit sie ihre „Sippenex“ – die eigenständige Wanderung – beginnen konnten.
Unser Bus kämpfte sich derweil die Serpentinen zum Hangort Terenten hinauf. An einer Böschung hielten wir schließlich an. Vor uns tat sich ein spektakulärer Blick über einen saftig grünen Wiesenhang auf. Wir schulterten das Gepäck, kletterten über die Straßenbegrenzung und liefen querfeldein talwärts, bis wir einen Mischwald erreichten. Nach einem Marsch durch die Stille der Bäume öffnete sich der Wald und gab den Blick auf eine tiefergelegene Almhütte frei. Ein schmaler Weg führte uns in Serpentinen direkt dorthin. Hinter der Hütte lag unser Hauptlager: eine weite Wiese, umringt von Bäumen, mit einer kleinen Hütte, die drei schlichte Plumpsklos beherbergte. Eine alte, freistehende Badewanne diente uns als Spülbecken für das Geschirr. Wir stellten unser Gepäck ab, errichteten die Kothen und die große Jurte – damit war das Lagerleben offiziell eröffnet.
Alltag zwischen Gebirgsbach und Flaggenmast
Der Morgenritus war nichts für Warmduscher. Jeden Tag stiegen wir einen Kilometer den Hang durch einen düsteren Wald hinab zu einem eiskalten Gebirgsbach. Das Waschen im eiskalten Wasser war gewöhnungsbedürftig, und der anschließende Wiederaufstieg sorgte dafür, dass man meist schon vor dem Frühstück wieder nassgeschwitzt war. Nach der obligatorischen Lagergymnastik und dem Frühsport folgte der gemütliche Teil: Im Sitzkreis auf der Wiese fassten wir uns an den Händen, ein passender Essensspruch wurde aufgesagt, und dann begann die „Essensschlacht“.
Nach dem Aufräumen traten wir im Karree um den Flaggenmast an. Wir begrüßten den Tag mit Liedern, besprachen das Programm und hissten die Bundesfahne. Während wir Älteren den Lageralltag organisierten, stürzten sich die Wichtel und Wölflinge mit Begeisterung in ihr Programm.
Die erste Sippenex: Eine Geduldsprobe
Einige Tage später startete meine eigene Sippenex. Gemeinsam mit einem Mitpfadfinder wurde ich im roten VW-Bus nach Terenten gebracht. Dort stießen wir auf eine Mädchensippe, bei der zwei Mitglieder erkrankt waren. Kurzerhand wurde entschieden, dass wir zwei Jungs die Tour mit den verbliebenen Mädchen fortsetzen sollten. Ich war skeptisch, da die Stimmung unter den Mädels bereits als recht „eigenwillig“ und rechthaberisch galt, versuchte aber, optimistisch zu bleiben.
Es kam, wie es kommen musste: Kaum hatten wir Terenten verlassen, begannen die Diskussionen. Die Mädchen wollten Wege einschlagen, die uns völlig vom Ziel wegführten. Wir verließen die befestigten Pfade und kämpften uns querfeldein durch Unterholz und über Weiden. Die Stimmung sank auf den Nullpunkt. Wenn der eigene Wille mit der Realität kollidiert, wird die Laune meist unerträglich.
In Niedervintl erreichten wir endlich wieder die Zivilisation. Doch statt Entspannung folgte die nächste Debatte: die Quartiersuche. Nach endlosem Hin und Her schlug ich vor, auf der Sängerbühne im Ort zu schlafen. Während die Mädels noch zeternd hinterhertrotteten, legten wir Jungs bereits die Rucksäcke ab. Den Abend verbrachten wir in einer Pizzeria, wobei ich mich mit meiner Pizza auf die Terrasse flüchtete, um dem Gezeter zu entkommen.
Der nächste Tag brachte kaum Besserung. Über Mühlbach fuhren wir mit der Seilbahn auf den Berg. Oben angekommen, verweigerten die Mädels den weiteren Marsch und wählten stattdessen einen Heuboden als Schlafplatz. Für mich als Allergiker ein Albtraum. Während die anderen im Stroh tobten, verbrachte ich die Nacht hustend unter dem Sternenhimmel. Am nächsten Morgen war ich mit meinen Nerven am Ende. Nach einem angespannten Tag, den ich größtenteils für mich verbrachte, endete das Experiment zum Glück: Wir wurden vom roten Bus abgeholt und ins Hauptlager zurückgebracht.
Mit den Wölflingen zum Gipfel
Zurück im Lager unterstützten wir die Betreuer, bis die Wölflinge zwei Tage später zu ihrer eigenen Exkursion aufbrachen. Ich schloss mich ihnen an. Der Aufstieg Richtung Terenten forderte die Kleinen heraus, doch nach einer großen Pause an der Hauptstraße kämpften sie sich tapfer die Almstraße entlang eines Gebirgsbachs hinauf. Auf halber Strecke trafen wir die Jungensippe „Die Normannen“. Gemeinsam fanden wir einen idealen Lagerplatz auf einer Insel im Bach. Wir spannten ein Sonnensegel aus Kothenbahnen zwischen den Birken auf, unter dem die Wölflinge ihre Schlafsäcke ausrollten. Wir Großen schliefen direkt unter dem Firmament.
Am nächsten Tag stand die Gipfelstürmung an. Wir ließen das Gepäck im Insel-Lager zurück und machten uns an den Aufstieg. Ein Betreuer schlug eine Abkürzung vor – den direkten, steilen Weg nach oben. Da ich die Nachhut bildete, hatte ich alle Hände voll zu tun, die langsameren Wölflinge zu motivieren. Der Weg war tückisch: Ein kleines Rinnsal machte die Steine glitschig. Als ich mich zwischendurch umdrehte, wurde mir trotz meiner Höhenangst kurz mulmig, doch der Ausblick ins Tal war jede Anstrengung wert.
Kurz vor dem Gipfel, bei einer Hütte, blieb ich mit einigen erschöpften Wölflingen zurück, während der Rest die letzten Meter zum Gipfelkreuz erklomm. Die Aussicht über Norditalien war atemberaubend. Der Abstieg erfolgte über den befestigten Weg, und zurück im Lager gab es für die brennenden Füße erst einmal ein Bad im Bach.
Der letzte Morgen hielt noch eine Überraschung bereit: Wir wurden von einer Kuhherde geweckt, die neugierig durch unser Lager spazierte. Während ein Wölfling von einer feuchten Kuhschnauze „wachgeküsst“ wurde, hatte ein anderer weniger Glück: Eine Kuh hatte ein besonders unappetitliches Souvenir direkt in seinem Schlafsack hinterlassen. Ein denkwürdiger Abschluss für eine Fahrt voller Kontraste!
Mein beruflicher Werdegang: Vielseitig, engagiert und wandlungsfähig
Schon während meiner Schulzeit in Eckernförde habe ich früh gelernt, anzupacken. Ob als Zeitungsbote für die „MoinMoin“, beim Austragen der Sparkassenmagazine oder als Packkraft bei Lidl – ich war immer in Bewegung. Nach der Schule folgte der Dienst bei der Bundeswehr, wo ich nach meiner Grundausbildung in Heide als Nachschubbuchführer in Husum Verantwortung für Logistik und Organisation übernahm.
Ein Weg der Orientierung: Handwerk, Pflege & Medien
In den darauffolgenden Jahren nutzte ich zahlreiche Praktika, um meine Stärken in verschiedensten Bereichen zu testen. Ich sammelte handwerkliche und gastronomische Erfahrungen im Alten Fährhaus in Fahrdorf, in der Bäckerei Carstensen sowie in der Gärtnerei Colmorgen.
Parallel dazu entdeckte ich mein Interesse an der Arbeit mit Menschen und der Kommunikation. Dies führte mich zu Einsätzen in der Pflege – unter anderem bei To Hus, der Tagespflege Bischof und im Seniorenheim Gettorf. Meine kreative und redaktionelle Ader konnte ich als Redakteur für die Jugendzeitung „eckXpress“ und bei eckTV voll ausleben. Auch politisch durfte ich hinter die Kulissen blicken: Ein Praktikum in der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen beim Abgeordneten Detlef Matthiesen bot mir spannende Einblicke in die Landespolitik.
Praktische Erfahrung und berufliche Neuausrichtung
Nach verschiedenen Stationen, wie der Arbeit bei Möbel und Mehr, einem Job als Schulbibliothekar an der Peter-Ustinov-Gesamtschule und einer Tätigkeit in der Jugendpflege Gettorf, unterstützte ich zudem meinen Bruder in seinem Eisladen „La Venezia“ in Kiel und Eckernförde.
Um meine organisatorischen Fähigkeiten auf ein professionelles Fundament zu stellen, absolvierte ich schließlich bei der DAA in Goslar meine Umschulung zum Bürokaufmann. Während dieser Zeit vertiefte ich meine Kenntnisse im Rahmen eines Praktikums beim Bestattungsinstitut Sumika in Bad Harzburg. Abgerundet wurde mein Profil zuletzt durch eine Maßnahme bei der BNVHS, in der ich unter anderem meine praktischen Kenntnisse als Koch auffrischen konnte.
Beim Bund
„Nach der Musterung im Sommer 2000 wurde ich am 2. Januar 2001 zur Bundeswehr eingezogen. Meine Grundausbildung absolvierte ich in der Wulf-Isebrand-Kaserne in Heide (Dithmarschen). Danach wurde ich in die Fliegerhorst-Kaserne nach Husum versetzt. In der Flugabwehrraketengruppe (FlaRakGrp) 26 verrichtete ich meinen Dienst in der Versorgungsstaffel. Dort war ich als Nachschubbuchführer in der ZTBÜ-AR / BN-STAN eingesetzt. Nebenbei half ich im Offizier- und Unteroffizierheim als Bedienung aus. Auch den unvermeidlichen Wachdienst musste ich leisten – mal als Wachposten oder Streifensoldat, mal als stellvertretender Wachhabender. Im September 2002 meldete ich mich freiwillig für den Hilfseinsatz an der Elbe, um den Menschen während der Hochwasserkatastrophe beizustehen. Ende November 2002 endete meine Dienstzeit bei der Bundeswehr.“
Die Geschichte: Zwischen Akten und Elbeflut
Es war ein kalter, grauer Morgen, dieser 2. Januar 2001. Während andere noch die Reste der Neujahrsparty ausschliefen, stand ich mit gepackter Tasche vor dem Tor der Wulf-Isebrand-Kaserne in Heide. Die Musterung im Sommer zuvor war gefühlt ewig her gewesen, doch nun wurde es ernst: Der „Ernst des Lebens“ trug Flecktarn.
Die Grundausbildung in Dithmarschen war geprägt von Marschstiefeln, dem Geruch von Waffenöl und wenig Schlaf. Doch ich biss mich durch. Nach dem Gelöbnis hieß es Abschied nehmen von Heide, und mein Weg führte mich weiter nördlich in die Fliegerhorst-Kaserne nach Husum.
Alltag in der FlaRakGrp 26
In der Versorgungsstaffel der Flugabwehrraketengruppe 26 fand ich meine neue Heimat auf Zeit. Als Nachschubbuchführer wurde ich zum Herrn über die Zahlen und Bestände der ZTBÜ-AR / BN-STAN. Mein Alltag war eine Mischung aus militärischer Disziplin und organisatorischem Geschick.
Aber das Soldatenleben bestand nicht nur aus Akten:
Abwechslung: Wenn der Dienstplan es zuließ, tauschte ich das Sturmgewehr gegen das Tablett und half im Offizier- und Unteroffizierheim aus. Es war eine willkommene Abwechslung, die mir Einblicke in die geselligen Seiten der Truppe gab.
Pflicht: Weniger beliebt, aber unvermeidbar war der Wachdienst. Ob bei beißender Kälte als Wachposten, auf einsamer Runde als Streifensoldat oder mit Verantwortung als stellvertretender Wachhabender – die Nächte in der Kaserne konnten verdammt lang sein.
Der Einsatz, der alles veränderte
Der Spätsommer 2002 brachte eine Wendung, mit der niemand gerechnet hatte. Die Nachrichten waren voll von den Bildern der „Jahrhundertflut“ an der Elbe. Für mich gab es kein Zögern: Ich meldete mich freiwillig.
Statt Akten zu wälzen, schleppten wir Sandsäcke gegen die Wassermassen. Die Erschöpfung in den Knochen wurde durch die Dankbarkeit der Menschen vor Ort mehr als wettgemacht. Es war ein hartes Stück Arbeit, aber das Gefühl, wirklich gebraucht zu werden, schweißte uns Soldaten eng zusammen.
Das Ende einer Ära
Als ich Ende November 2002 schließlich zum letzten Mal durch das Kasernentor nach draußen trat, war ich nicht mehr derselbe wie im Januar 2001. Hinter mir lagen fast zwei Jahre voller Kameradschaft, harter Arbeit und Erfahrungen, die man in keinem zivilen Job der Welt so hätte sammeln können.
Mein politischer Weg bei Bündnis 90/Die Grünen
Der Aufbruch im Norden (2003–2009)
Im Sommer 2003 erwachte mein politisches Interesse, was mich direkt zum Eintritt in die Partei Bündnis 90/Die Grünen bewegte. Im Kreisverband Rendsburg-Eckernförde begann ich, mich aktiv für grüne Kernthemen einzusetzen. Besonders in meiner damaligen Heimatstadt Eckernförde lag mir die Umsetzung von Umweltprojekten am Herzen. Parallel dazu engagierte ich mich im Beirat für Menschen mit Behinderungen der Stadt und übernahm die Organisation von Wahlkampfständen und Sommerfesten.
Meine Verantwortung wuchs stetig: Als Beisitzer im Kreisvorstand sowie als Delegierter auf Landes- und Bundesparteitagen konnte ich die politische Richtung der Partei aktiv mitgestalten. Einen Höhepunkt dieser Zeit bildete meine Arbeit für die Grüne Jugend Schleswig-Holstein, wo ich 2005/06 als Landesgeschäftsführer tätig war und unter anderem den Bundestagswahlkampf der Jugendorganisation koordinierte. Im Jahr 2008 trat ich schließlich als Kandidat bei der Kommunalwahl an – eine wertvolle Erfahrung, auch wenn der große Wahlerfolg damals noch ausblieb.
Neuanfang und Herausforderungen im Harz (ab 2010)
Durch meinen Umzug nach Bad Harzburg im Jahr 2010 wechselte ich zum dortigen Kreis- und Ortsverband. Mein Engagement wurde schnell geschätzt, sodass ich kurz darauf zum Ortsvorsitzenden gewählt wurde. 2011 kandidierte ich erneut für den Gemeinderat und den Kreistag. Zwar reichten die Stimmen nicht für ein Mandat, doch ich wurde als beratendes Mitglied in den Sozial- und Kulturausschuss der Stadt Bad Harzburg berufen.
Konflikte und Abschied
Mit der Zeit kam es jedoch zu Spannungen. Meine Erfahrungen und Impulse aus anderen Verbänden stießen bei einigen langjährigen Mitgliedern auf Widerstand; man fühlte sich offenbar durch meine Herangehensweise provoziert. Was als politische Zusammenarbeit begann, schlug in ein schwieriges zwischenmenschliches Klima um. Ich sah mich mit Ausgrenzung und Gerüchten konfrontiert, die hinter meinem Rücken verbreitet wurden.
Dieser anhaltende Druck und der mangelnde Rückhalt innerhalb der Gruppe belasteten mich stark und ließen alte Wunden meiner PTBS-Erkrankung wieder aufbrechen. Um mich selbst zu schützen, zog ich konsequent die Reißleine: Zuerst legte ich meinen Posten im Ausschuss nieder, und schließlich trat ich schweren Herzens aus der Partei aus, da ein wertschätzender Umgang miteinander nicht mehr gegeben war.
Meine Zeit bei der BNVHS in Goslar-Oker (2015–2017)
Alles begann Anfang Juni 2015 mit der Maßnahme „Pforte“. Der erste Tag war geprägt von Formalitäten, gefolgt von einem ausführlichen Rundgang durch die Räumlichkeiten der BNVHS. Herr Timo Lauer und Frau Suna Metelka führten uns herum und erklärten uns im Detail, wo welche Aufgaben erledigt werden. Schon am zweiten Tag startete die praktische Arbeit in den Gewerken. Mein Weg führte mich in die HoGa-Küche unter der Leitung von Frau Heike Bormann.
Alltag zwischen Theorie und Praxis
Mein Wochenablauf war fest strukturiert: Montagnachmittags stand das Fach „Soziale Gesundheit“ bei Frau Angela Hühne auf dem Plan. Mittwochs wechselten sich Bewerbungstraining bei Frau Müller und allgemeiner Unterricht bei Frau Omland ab.
Die Arbeit in der Küche empfand ich oft als recht anstrengend. Häufig blieb die Endreinigung an mir hängen, da viele Teilnehmer bereits gegen Mittag den Heimweg antraten. Dennoch war es eine produktive Zeit: Wir bereiteten Fingerfood für interne Sommerfeste und verschiedene externe Veranstaltungen vor. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Bewirtung der Senioren aus dem nahegelegenen Altenheim, die alle zwei Wochen zum Mittagessen oder zu Kaffee und Kuchen zu uns kamen. Zur Weihnachtszeit duftete die Küche nach frisch gebackenen Keksen, und ein gemeinsamer Ausflug zum Weihnachtsmarkt nach Wernigerode rundete das Jahr ab. Auch Exkursionen zum Gesundheitstag in Oker oder zur Ausbildungsbörse im Kreishaus Goslar gehörten dazu.
Neue Wege: Der Wechsel zu „Jaguar“
Im März 2016 wechselte ich in die Maßnahme „Jaguar“. Zunächst blieb ich der Küche treu, doch im Sommer standen Praktika an, die meine Belastbarkeit testeten:
Waldgasthaus Rabenklippe: Die Landschaft war traumhaft, doch die betrieblichen Umstände passten leider nicht. Nach einer schmerzhaften Muskelverhärtung im Rücken musste ich dieses Praktikum abbrechen.
Hotel Zum Löwen (Langelsheim): Die Arbeit dort war angenehm, allerdings gestaltete sich der tägliche Arbeitsweg als sehr stressig.
Zwischendurch gab es eine Phase, in der ich aufgrund von Unstimmigkeiten in die kaufmännische Gruppe versetzt wurde, kehrte aber nach dem zweiten Praktikum wieder in die Küche zurück. Weitere geplante Praktika kamen leider nicht zustande, da die Bedingungen in den Betrieben nicht passten. So endete meine Zeit in der Maßnahme schließlich am 3. Februar 2017 – und mit ihr begann erneut eine Phase der Ungewissheit.
Persönliches Resümee: Kollegen und Teilnehmer
Das Personal
Das Werkstatt-Team in der Küche – bestehend aus Frau Bormann, Herrn Schlamelcher, Frau Kotschakara und Herrn Bormann – habe ich als sehr kollegial und fachlich kompetent erlebt. Auch an der Zusammenarbeit mit Frau Metelka und Herrn Lauer gab es im Großen und Ganzen nichts auszusetzen.
Kritischer betrachte ich die pädagogische Betreuung. Während Frau Fernberg als eine sehr liebenswerte Mitarbeiterin hervorstach, die ein offenes Ohr für die Sorgen der Teilnehmer hatte, empfand ich Frau Katte und Herrn Blumberg als etwas „berufsblind“. Menschlich waren sie zwar in Ordnung, doch sie schienen bestehende Probleme eher mit neuen Anforderungen zu überdecken, statt sie wirklich zu lösen. Herr Michael war ein herzensguter Mensch, dem das Unterrichten jedoch weniger lag, während Frau Alberti als fähige und sehr fokussierte Chefin in Erinnerung blieb.
Die Teilnehmergemeinschaft
Der Großteil der Teilnehmer war umgänglich und freundlich. Natürlich gab es Ausnahmen: Einzelne Personen fielen durch Fehlverhalten auf. Besonders negativ blieb mir eine Dame namens Tamara Z. in Erinnerung, die offenbar aus Neid versuchte, andere gegeneinander auszuspielen, um selbst im Mittelpunkt zu stehen.
Der Wendepunkt – Mein Weg nach Liebenburg
Die Dunkelheit vor dem Aufbruch
Das Jahr 2017 begann für mich nicht mit einem Neuanfang, sondern mit einer tiefen, lähmenden Orientierungslosigkeit. Nachdem ich die BNVHS verlassen hatte, stand ich vor den Trümmern meines Alltags. Mein Körper und meine Seele schienen gegeneinander zu arbeiten. Die erste Jahreshälfte war geprägt von quälenden, unaufhörlichen Kopfschmerzen und einer Diagnose, die mir den Boden unter den Füßen wegriss: Diabetes.
Ich fühlte mich mit dieser Krankheit vollkommen im Stich gelassen. Niemand erklärte mir, wie ich damit leben sollte, und so wuchs die Angst in mir zu einer monströsen Gestalt heran. In meiner Verzweiflung versuchte ich, die Kontrolle über den Blutzucker durch radikalen Verzicht zu erzwingen. Ich ernährte mich fast ausschließlich von Äpfeln und ein paar Crackern – ein gefährlicher Raubbau an meinem ohnehin geschwächten Körper. Ich igelte mich in meiner Wohnung ein, zog die Vorhänge zu und ließ die Welt draußen. Das Leben fand ohne mich statt. Nur für das Nötigste, für Arztbesuche oder Lebensmitteleinkäufe, schleppte ich mich vor die Tür, immer begleitet von diesem hämmernden Schmerz im Kopf, der mich flehen ließ, einfach nur schlafen zu dürfen. Innerlich hatte ich bereits aufgegeben. Ich wollte nicht mehr kämpfen. Ich wollte nicht mehr sein.
Ein neuer Hafen: Die Klinik in Liebenburg
Im Mai 2017 erreichte ich meinen absoluten Tiefpunkt. Völlig entkräftet und am Ende meiner Reserven wurde ich in die Klinik für mentale Gesundheit in Liebenburg aufgenommen. Man wies mir einen Platz auf der Station für Psychosomatik und Psychologie zu, mit dem Schwerpunkt auf Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS).
Der Empfang war überraschend warmherzig. Es war ein Freitag, mein erster Tag, und noch während der Aufnahme lernte ich Annett und Marion kennen. Wir waren die „Neuen“, und dieses gemeinsame Schicksal schweißte uns sofort zusammen. Unser erstes gemeinsames Mittagessen – überbackener Blumenkohl mit Kartoffeln und Knoblauchsoße – markierte den zaghaften Beginn einer neuen Zeitrechnung.
Mein Zimmernachbar war ein echtes Original: ein leidenschaftlicher Jäger und absoluter Frischluftfanatiker. Jede Nacht bestand er auf weit geöffnete Fenster. Wenn er am Wochenende Ausgang hatte, zog es ihn nicht in die Zivilisation, sondern direkt auf seinen Hochstand im Wald. Obwohl es mir anfangs noch „grottenschlecht“ ging und ich mich von größeren Aktivitäten fernhielt, begann die Klinikroutine an mir zu arbeiten. Ein ganzer Stab von Fachleuten – Psychologinnen, Ergo-, Sozial- und Physiotherapeuten – stellte sich vor.
Ein Gesicht blieb mir dabei besonders im Gedächtnis: Florian K., mein Physiotherapeut. Er war ein äußerst attraktiver junger Mann, und ich muss gestehen, dass ich mich Hals über Kopf in ihn verguckte. Jedes Mal, wenn er den Raum betrat, flatterten die berühmten Schmetterlinge in meinem Bauch. Er verstand sein Handwerk nicht nur medizinisch; er hatte eine Art an sich, die mich regelrecht in seinen Bann zog.
Begegnungen und ein besonderer Geburtstag
Kurz darauf bekam ich einen neuen Zimmerkollegen: Carsten V. aus Vienenburg. Anfangs war er sehr scheu, fast schon zurückhaltend. Ich ließ ihm die Zeit, die er brauchte, und beobachtete ihn still, bis das Eis brach. Er erzählte mir von seinem Zuhause, seiner Mutter und seinem schwarzen Kater Tobi. Unsere kleine Gruppe wuchs: Annett, Marion, die beiden Carstens und ich bildeten bald den harten Kern an unserem Esstisch.
Am 11. Mai stand mein Geburtstag an. Eigentlich wollte ich diesen Tag ignorieren, mich unsichtbar machen. Doch die Gemeinschaft in Liebenburg ließ das nicht zu. Zuerst stand Annett mit einem breiten Grinsen vor meiner Tür und schmetterte ein Geburtstagsständchen, das mich vor Verlegenheit erröten ließ, mich aber tief im Herzen berührte. Marion schenkte mir einen handgemachten Schutzengel aus Ton und Jute, und nach dem Mittagessen fand ich plötzlich eine XXL-Packung „Merci“ auf meinem Bett. Erst nach einer kleinen Detektivarbeit fand ich heraus, dass sie von Carsten stammte. Selbst die Therapeuten gratulierten mir. Es war ein völlig neues, heilendes Gefühl, so viel Wertschätzung zu erfahren.
Von Heilung und Humor
Unsere Gruppe vergrößerte sich stetig um wunderbare Menschen wie Manuela, Vanessa, Celine, die zweite Marion, Sven und Svetlana. Wir wurden zu einer Schicksalsgemeinschaft, die gemeinsam lachte, weinte, Sport trieb und wanderte.
Besonders in Erinnerung blieb mir Carstens Verwandlung. Nach einer intensiven Therapiesitzung rasierte er sich seinen geliebten Schnauzer ab – ein Symbol für seinen Neuanfang. Als er im Rahmen eines Expositionstrainings eine Strecke fahren musste, die ihn aufgrund seiner Traumata Überwindung kostete, scherzte ich: „Fahr doch nach Wolfenbüttel zum Orion-Shop und gönn dir mal was Schönes!“
Ich hätte nie mit der Reaktion gerechnet. Als Carsten zurückkam, grinste er über das ganze Gesicht und drückte mir eine pralle, schwarze Plastiktüte in die Hand. „Mach mal auf“, sagte er verschmitzt. Nichtsahnend öffnete ich den Karton und erstarrte: Vor mir lagen zwei Gay-Erotikmagazine, ein schwarzer Doppeldildo und eine Chilicreme.
„Ich dachte, du wolltest dir selbst was Gutes tun!“, stammelte ich fassungslos, während Annett, die gerade ins Zimmer kam, in schallendes Gelächter ausbrach und neugierig in den Heften blätterte. Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken, aber dieser Moment der absurden Komik war genau das, was wir in dieser schweren Zeit brauchten.
Der Aufbruch in die Freiheit
In dieser Zeit reifte in mir der Entschluss, nicht in mein altes Leben zurückzukehren. In einem Vortrag von Herrn Schrader hörte ich zum ersten Mal von der neu gebauten Wohngemeinschaft in der Poststraße in Liebenburg. Noch während des Vortrags wusste ich: Das ist meine Chance. Ich bewarb mich, erledigte den Papierkram und erhielt tatsächlich die Zusage.
Der Umzug war ein Kraftakt, den ich ohne Hilfe nicht geschafft hätte. Carsten, der mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen war, packte tatkräftig mit an und fuhr Schrott und alte Möbel zur Deponie. Auch meine Mutter war meine Fels in der Brandung. Trotz ihrer schweren spastischen Erkrankung half sie mir in Bad Harzburg beim Packen und unterstützte mich finanziell, wo sie nur konnte.
Dass es zur gleichen Zeit mit meinem Vater kriselte, belastete mich schwer. Ich hatte ihm in einem Brief meine Sicht der Vergangenheit geschildert – ein Befreiungsschlag für mich, den er jedoch als persönlichen Angriff wertete. Ich erkannte damals, dass auch er seine psychischen Lasten trägt, aber die Einsicht in seinen Zustand nicht finden kann. Dieses Ungleichgewicht war schmerzhaft, aber notwendig zu akzeptieren.
Am 1. August bezog ich schließlich als einer der Ersten mit Elvira und Tim mein Appartement in der Poststraße. Als ich den letzten Karton auspackte, spürte ich, wie eine riesige Last von meinem Herzen fiel. Ich war nicht mehr der Mensch, der im Mai verzweifelt aufgegeben hatte. Ich war angekommen.
Ein Chronik des Zusammenlebens
Nach meinem Klinikaufenthalt atmete ich das erste Mal seit langer Zeit wieder durch. Ich war bereit für einen Neuanfang, bereit für das Leben in der Wohngemeinschaft in der Poststraße. Zu Beginn waren wir ein ungewöhnliches Trio: Elvira, eine ältere Dame, die von schweren Ängsten geplagt wurde; Tim, ein junger Mann aus der Kölner Region, der die Härte der Obdachlosigkeit und die Wirren der Schizophrenie am eigenen Leib erfahren hatte; und schließlich ich selbst. Gemeinsam mit unseren Betreuern vom ABW, Frau Richter, Frau Reuß und Herrn Wetter, bildeten wir den Kern unserer neuen Gemeinschaft.
Der große Tag
Schon bald wuchs unsere Gruppe durch Vanessa und Alexander. Im September 2017 war es dann so weit: Die Einweihung wurde mit einem Tag der offenen Tür gebührend gefeiert. Sogar die örtliche Prominenz gab sich die Ehre. Alles war hergerichtet, um den vielen Interessierten einen Einblick in unsere neu errichtete Einrichtung zu gewähren. Sogar die Presse war vor Ort. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als Bewohner interviewt wurde – ein seltsames, aber auch stolzes Gefühl, meinen Namen später in der Zeitung zu lesen.
Herr Fontheim, der Geschäftsführer, und Herr Schrader, der Leiter der Eingliederungshilfe, eröffneten die Feierlichkeiten. Während die Gäste sich im Foyer in das Gästebuch eintrugen, genossen wir die Köstlichkeiten der klinikeigenen Küche. Doch zwei Vorfälle brannten sich besonders in mein Gedächtnis ein: Da war zum einen der Bewohner der stationären Einrichtung, der Tim ein äußerst unschönes „Geschenk“ in der Toilette hinterließ – mitten in dem Moment, als Tim stolz sein Appartement präsentieren wollte. Und dann war da Frau Richter. Unsere Betreuerin torkelte die Treppe hinunter; ein Vorfall, der aufgrund ihrer Trunkenheit zu ihrer sofortigen Entlassung führte.
Wandel und Gemeinschaft
Für Frau Richter kam Frau Schiffling. Das Kommen und Gehen wurde bald ein fester Bestandteil unseres Alltags. Vanessa zog aus, Ahmed zog ein. Mit ihm verstand ich mich auf Anhieb. Es folgten Anja, Ramona und schließlich Sebastian, womit die WG vollzählig war.
Ein Jahr später feierte ich meinen Geburtstag im großen Kreis. Ich wollte mich bei all jenen bedanken, die mich unterstützt hatten. Ich verbrachte Stunden in der Küche, um ein Buffet zu zaubern, das von süß bis herzhaft reichte. Als Zeichen meiner tiefen Dankbarkeit überreichte ich jedem Gast persönlich eine Rose und hielt eine kleine Rede. Es war ein Moment des Ankommens. Um nicht wieder in die Strukturlosigkeit zu verfallen, arbeitete ich zudem im „Lädchen“ in Haus 5 und in der Spülküche von Haus 11. Das Lädchen war ein besonderer Ort – ein kleiner Basar für Kleidung und Kuriositäten, der mir half, den Halt nicht zu verlieren.
Schatten über der WG
Doch das Leben in der Gemeinschaft war nicht immer harmonisch. Die Dynamik änderte sich ständig. Betreuer gingen, neue kamen. Nachdem Frau Reuß erkrankte, übernahm Frau Teuber; Frau Zube ersetzte die ebenfalls erkrankte Frau Schiffling. Auch bei uns Bewohnern blieb nichts beim Alten. Ahmed zog aus, um in Düsseldorf zu studieren, und Colette – die lieber „Amie“ genannt werden wollte – zog ein. Ihr komplizierter psychischer Zustand verlangte mir viel Kraft ab und belastete das Klima schwer.
Nachdem Sebastian aus- und Sabine eingezogen war, folgte auch Ramona dem Ruf der Veränderung nach Braunschweig. An ihre Stelle trat Maria, mit der ich oft mit Nordic-Walking-Stöcken durch das Dorf zog.
Die Katastrophe
Dann kehrte ein altbekanntes Gesicht zurück: Ahmed. Doch er war nicht mehr der Mann, den ich in Erinnerung hatte. Er wirkte verändert, gezeichnet. Dennoch empfing ich ihn mit offenen Armen. Die Freude währte nicht lange.
Es war ein Samstagabend, als ich ihn zum letzten Mal sah. Er lächelte mich an. Als er am darauffolgenden Montag nicht zum Essen erschien, stieg eine dunkle Vorahnung in mir auf. Ich wandte mich besorgt an die Betreuer. Die traurige Gewissheit folgte kurz darauf: Man fand Ahmed in seinem Appartement. Er hatte sein Leben mit einem Strick aus Bettlaken beendet. Dieser Schock saß tief. Manchmal, wenn ich heute an seiner ehemaligen Tür vorbeigehe, sehe ich ihn vor meinem inneren Auge noch dort hängen. Es ist ein Bild, das ich nie ganz loswerden werde.
Die Pandemie und der Abschied
Später zog Paul ein. Das Jahr 2019 führte mich wegen meines Diabetes nach Bad Lauterberg. Und dann kam Corona. Die Welt blieb stehen. Lockdowns, Maskenpflicht, Isolation. Ich konnte oft nur den Kopf schütteln über die Kreativität, mit der Menschen versuchten, Masken zu improvisieren – von Ärmeln bis hin zu absurderen Konstruktionen.
Doch die Leichtigkeit war weg. Therapien fielen aus, die unangenehmen Tests wurden Routine. Am schlimmsten empfand ich jedoch den gesellschaftlichen Druck bezüglich der Impfung. Die mediale und politische „Hetzjagd“ auf Ungeimpfte ging mir an die Substanz. Ich entschied mich bewusst gegen die Impfung – aus Sorge um meine Gesundheit und aufgrund der mangelnden Langzeiterprobung. Ich nahm lieber die täglichen Tests in Kauf. Heute, im Rückblick auf die vielen Berichte über Impffolgen, bin ich froh, meinem Bauchgefühl vertraut zu haben.
Trotzdem endete meine Zeit in der Poststraße schmerzhaft. Im Jahr 2021 musste ich auf Drängen der ABW-Leitung die Wohngemeinschaft verlassen. Es war ein Moment voller Enttäuschung, Wut und dem Gefühl, nicht verstanden zu werden. Doch ich musste weitermachen. Ich suchte mir eine eigene Wohnung in der Nähe – und begann ein neues Kapitel, allein, aber mit den Erfahrungen der Poststraße im Gepäck.
Mein Profil: Zwischen Verstand, Mitgefühl und dem Streben nach Balance
Ich würde mich selbst als einen Menschen beschreiben, dessen Fundament auf Hilfsbereitschaft, sozialem Bewusstsein und einer tiefen Wissbegierde ruht. Meine Freunde sehen mich genau so, und ich erkenne mich in dieser Beschreibung auch vollkommen wieder. In meinen Beziehungen ist mir die Balance extrem wichtig: Ich schätze absolute Ehrlichkeit ebenso sehr wie bedingungslose Loyalität. Für mich macht es keinen Sinn, loyal hinter jemandem zu stehen, wenn ich nicht gleichzeitig den Mut habe, meine ehrliche Meinung zu äußern.
Mein innerer Kompass und der Umgang mit Herausforderungen
Wenn es im Leben knistert oder stressig wird, bin ich kein Impulstäter. Ich versuche erst einmal, die Situation rational zu begreifen. Dabei arbeite ich oft hart daran, meine Emotionen zu kontrollieren – was mir, um ehrlich zu sein, nicht immer leicht fällt. Ich wäge ab, ob eine Konfrontation sinnvoll ist oder ob ich mich emotional zurückziehe. Auch bei Fehlern, die mir unterlaufen, schwanke ich: Manchmal gehe ich sofort lösungsorientiert vor, ein anderes Mal kann ich innerlich regelrecht aus der Haut fahren, besonders wenn Dinge auch beim x-ten Versuch nicht klappen.
Druck und Stress sind Faktoren, mit denen ich kritisch umgehe; ich spüre sie deutlich und sie fordern mich heraus. Auch bei Kritik hängt meine Reaktion stark von meiner Tagesform und dem Thema ab. Ich versuche zwar, Kritik als Chance zur Selbstoptimierung zu nutzen, aber es gibt Momente, in denen mich kontroverses Feedback verunsichert und mich buchstäblich „im Regen stehen lässt“.
Soziale Dynamik und Wirkung
In sozialen Situationen bin ich ein Beobachter. Auf Fremde mag ich anfangs eher kühl oder distanziert wirken, aber das ist lediglich mein Schutzraum, um mir ein Bild zu machen. Sobald ich mich sicher fühle, taue ich auf. Ich bin ein Mensch, der erst zuhört und dann versucht, wirklich fundierte und sinnvolle Ratschläge zu geben. Dabei ist es mir wichtig, sowohl als kompetent als auch als nahbar wahrgenommen zu werden, da für mich beides Hand in Hand geht.
Was meine Energie angeht, bin ich eine Mischform: Ich lade meine Batterien gerne in Gesellschaft auf, brauche aber ebenso zwingend die Stille und die Zeit für mich, um meine Gedanken zu ordnen. In Bezug auf Geheimnisse bin ich wie ein Tresor. Ich sehe in ihnen keine soziale Währung, sondern eher eine Last. Ich bin der Überzeugung, dass es besser ist, zu seinen Schwächen zu stehen, statt Geheimnisse mit sich herumtragen, die einen auf Dauer auffressen könnten.
Werte und Wachstum
Ich bin kein Dogmatiker. Wenn es niemandem schadet, bin ich bereit, eine Regel auch mal flexibel auszulegen. Auch beim Thema „Nein-Sagen“ bin ich kompromissbereit: Geht es gegen meine tiefste Überzeugung, bleibe ich hart, aber oft genug suche ich den Mittelweg, um Menschen, die mir wichtig sind, nicht vor den Kopf zu stoßen.
Ich strebe nach ständiger Verbesserung und Selbstoptimierung, lerne aber auch zunehmend, die Akzeptanz für das zu finden, was heute ist. Mein Ziel ist es, bei Menschen in guter Erinnerung zu bleiben – auch wenn mir bewusst ist, dass ich es aufgrund der Individualität jedes Einzelnen niemals jedem recht machen kann.
Lieblingszitate:
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"Worte allein können das Leid nicht vermitteln, Worte allein können nicht verhindern, dass wieder geschieht, was hier geschehen ist. Verborgen hinter den Worten, liegt die Erfahrung, verborgen hinter der Erfahrung, liegt die Wahrheit. Macht die Wahrheit euch zu Eigen!" Das Mahnmal- ST VOYAGER
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„Mit dem ersten Glied ist die Kette geschmiedet. Wenn die erste Rede zensiert, der erste Gedanke verboten, die erste Freiheit verweigert wird, dann sind wir alle unwiderruflich gefesselt.“-Erik Satin
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"Wir Glauben so fortschrittlich zu sein. ... Folterungen von Kätzern ..... Hexenverbrennung...... halten wir für Geschichte. Und dann, bevor man sich versieht, droht plötzlich wieder alles von vorne anzufangen. .... Schurken, die ihre Schnurbärte zwiebeln sind leicht zu erkennen. Diejenigen aber, die sich in gute Taten kleiden, sind hervorragend getarnt. .... Eine solche Person wird immer da sein und wird auf den richtigen Moment warten, um an die Macht zu gelangen .... und Furcht zu verbreiten. im Namen der Rechtschaffenheit...., das ist der Preis, den wir kontinuierlich zahlen müssen!" JLP - ST TNG (Das Standgericht)
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"Herz und Verstand sind des Menschen erogensten Zonen" - Relic Hunter (Das Buch der Liebe)
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"Es gibt nur zwei Tage in deinem Leben an denen du nichts ändern kannst. Der eine ist gestern und der andere ist morgen." Dalai Lama
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"Und er bürdete dem Buckel des weißen Wals die Summe der Wut und des Hasses der ganzen Menschheit auf. Wäre sein Leib eine Kanone, er hätte sein Herz auf ihn geschossen." Moby Dick
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"Furcht führt zur Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid!" StarWars
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"Jedwede Art von Säugern auf diesem Planeten entwickelt instinktiv ein natürliches Gleichgewicht mit ihrer Umgebung. Ihr Menschen aber tut dies nicht. [...] Ein Virus! Der Mensch ist eine Krankheit, das Geschwür dieses Planeten." Matrix - Agent Smith
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"Ich kann Dir nur die Tür zeigen. Hindurch gehen musst Du alleine" Matrix - Morpheus
- „Zeit ist unser ständiger Begleiter, sie wart schon da, als wir geboren wurden,sie ist da, wenn wir Leben und sie wird sein, wenn wir nicht mehr auf dieser Erde weilen.“ - Matthias-Alexander Treptow
- "Was das Leben nicht will geben, gibt der Traum Segelraum."
Lieblingsbücher:
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Momo - Michael Ende
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Simarillion - J.R.R. Tolkien
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Herr der Ringe - J.R.R. Tolkien
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Der kleine Hobbit - J.R.R. Tolkien
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Pipi Langstrumpf - Astrid Lindgren
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Der kleine Wassermann -
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Der Wunschpunsch -
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Die Fünf Freunde Reihe -
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Die Ileas - Homer
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Die Odyssee des Odysseus - Homer
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Mythen, Sagen und Legenden
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Das Bildnis von Dorian Grey - Oskar Wild
Lieblingsgruppen/sängerInnen aus den 90/2000er:
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Spice Girls
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Boyzone
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Rosenstolz
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Michael Jackson
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BackstreetBoys
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Caught in the Act
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N'Sync
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TakeThat
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Whitney Houston
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Celine Dion
Lieblingsfilme/Serien
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The day after tomorrow
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Forest Gump
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Die Herr der Ringe -Trilogie-
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Der Hobbit - Trilogie-
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Stand by me - Die Geheimnisse eines Sommers
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XENA
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Relic Hunter
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Star Trek (TNG/DS9/VOY/PIC/TSNW) (Filme 4, 7, 8, 9, 10)
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Stargate (SG1/Atlantis)
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Beastmaster - Herr der Wildnis
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SLIDERS - Tor in eine andere Dimension
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Queer as Folk
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The Quest (1,2,3 & Serie)
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Peterchens Mondfahrt
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Momo
Songs of my life
- Wie kann ich sie lieben - Aus dem Musical/ Film "Die Schöne und das Biest"
- Die Suche geht weiter - Rosenstolz
- Märchen schreibt die Zeit - Aus dem Musical/ Film "Die Schöne und das Biest"
- A whiter shade of pale - Procol Harum
- Willkommen - Rosenstolz
- I will survive - Gloria Gayor
- Over ther rainbow - Judy Garland
- Mama - Spice Girls
- You a not alone - Michael Jackson
- Bright eyes - Stephen Gatley
- Bad Romance - Lady Gaga
- Born this way- Lady Gaga
- Wannabe - Spice Girls
- Viva forever- Spice Girls
- Too much - Spice Girls
- No matter What- Boyzone
Die schönen Orte, die ich in meinem Leben Besucht habe
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Öjesee, Darlana/Schweden (wärend der Pfadfindergroßfahrt 1999)
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Venjansee, Darlana/Schweden (wärend der Pfadfindergroßfahrt 1999)
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A Estrada/Codeseda, Galizien/Spanien (wärend der Pfadfindergroßfahrt 1998)
Orte die ich meide
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Generell alles wo es laut und Chaotisch zugeht ... Großstädte
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Bad Harzburg
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Kirchen
Dinge die ich nicht mag
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Menschen mit einem toxischen Narzistenbild, die sich selbst mehr lieben alls alles andere auf der Welt.
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Menschen die mich und andere vorsetzlich belügen und betrügen.
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Disharmonie
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Menschen die nicht über den Tellerrand hinaus schauen/denken können.
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